Ratgeber
Pflanzen im Schlafzimmer
Die Warnung, Pflanzen würden im Schlafzimmer nachts den Sauerstoff verbrauchen, hält sich seit Jahrzehnten. Sie ist rechnerisch unbegründet.
Die Sache mit dem Sauerstoff
Pflanzen betreiben nachts tatsächlich Atmung statt Photosynthese, verbrauchen also Sauerstoff. Die Menge ist allerdings winzig. Eine Zimmerpflanze atmet in der Größenordnung von wenigen Litern Luft pro Nacht, ein schlafender Mensch bewegt in derselben Zeit mehrere tausend Liter. Der Beitrag der Pflanze verschwindet in der Messungenauigkeit.
Die Sache mit der Luftreinigung
Die oft zitierte NASA-Studie von 1989 wird regelmäßig überinterpretiert. Sie wurde in luftdicht verschlossenen Kammern von wenigen Litern Volumen durchgeführt, nicht in Wohnräumen mit Fenstern und Luftwechsel.
Neuere Auswertungen kommen zu dem Ergebnis, dass man für eine messbare Wirkung in einem normalen Zimmer zehn bis hundert Pflanzen pro Quadratmeter bräuchte. Zum Vergleich: Einmal Fenster öffnen erreicht in Minuten mehr als jede Pflanzensammlung an einem Tag.
Was Pflanzen tatsächlich beitragen
- Luftfeuchte. Pflanzen geben über die Blätter Wasser ab. In trockener Heizungsluft ist das spürbar und angenehm für die Schleimhäute.
- Wahrnehmung. Grün im Raum wird als beruhigend empfunden. Das ist kein Messwert, aber ein realer Effekt fürs Wohlbefinden.
Wo Vorsicht angebracht ist
Blühende Pflanzen können bei Pollenallergikern Beschwerden auslösen. Feuchte Blumenerde kann schimmeln, das ist im Schlafzimmer der relevantere Einwand als der Sauerstoff. Wer Pflanzen im Schlafzimmer möchte, gießt sparsam und verwendet mineralisches Substrat oder eine Abdeckung.
Zuletzt geprüft am . Verantwortlich: Daniel Weihmann, Impressum.